Josef Salomonovic bei uns an der Schule

Josef Salomonovic wurde 1938 in Ostrava/Tschechei geboren, Ende des II. Weltkrieges war er gerade mal 6 Jahre alt. Am 26.02.2018 besuchte er zusammen mit seiner Frau Elisabeth unsere Oberschule und unser Gymnasium. Er erzählte uns seine ergreifende und spannende frühe Lebensgeschichte als Jude unter dem Nazi-Regime.

Er war zu dieser Zeit noch nicht sehr alt und kann sich trotzdem sehr gut daran erinnern, deswegen reist er in viele Städte, um Schülern klarzumachen, wie schlimm es damals in Europa war und das sich dies nie wiederholen darf. Er berichtete ausführlich, wie er mit seiner Familie, seinen Eltern und seinem älteren Bruder Michael 1941 in das Ghetto von Litzmannstadt deportiert wurde. Zu dieser Zeit war er gerade einmal 3 Jahre alt. Seine Mutter erzählte ihm, sie machen einen Ausflug nach Polen. In dem Ghetto Litzmannstadt werden oft kleine Kinder und ältere Menschen sowie Kranke verschleppt und ermordet, da sie nicht arbeiten konnten. Josef jedoch wurde auf dem Dachboden des Hauses versteckt, wenn die SS das Ghetto nach „Parasiten“ kontrollierte. So konnte er überleben. Diesen Teil seiner Geschichte empfand ich als sehr schlimm, da er uns auch erzählte, dass viele andere Kinder am nächsten Tag nicht mehr da waren, nachdem die SS das Haus kontrolliert hatte.

Umso schlimmer war es, als er danach erzählte, dass das Ghetto aufgelöst wurde und er nach Auschwitz kam. Dort durfte er seine eigenen Sachen behalten, da alle anderen Kleidungsstücke für ihn zu groß waren. In seinen Sachen hatte er zum Glück seinen kleinen Löffel, dank dem er überlebte, da er keine vorderen Milchzähne hatte. Aber mit dem Löffel, den er immer noch hat, konnte er das Essen zu Krümeln zerreiben, die er dann essen konnte. Natürlich hatte Josef Salomonovic diesen Löffel auch mitgebracht und es war ein ganz normaler Löffel, der ihm das Leben gerettet hat, was auch sehr beeindruckend und emotional war, da Herr Salomonovic an diesem Löffel hing.

Nach Auschwitz ging es im Viehwaggon weiter nach Stutthof. Dort musste er mit zu den Zählapellen am frühen Morgen, wo er mehrere Stunden in der Kälte stand. Wenn jemand zusammenbrach, begann das Zählen von Neuem. Ein Kindheitstrauma hat er wahrscheinlich vom Tod seines Vaters, der zur Krankenstation ging und nie wiederkam.

Im November 1944 ging es weiter nach Dresden. Was ich selber nicht gedacht hätte, war, dass es selbst in Dresden ein Lager gab. Aber die Fahrt war schlimm. Wer von der Wegzehrung aß, bekam Krämpfe oder starb. Die Überlebenden lagen dann auf den Toten. Auch ich war entsetzt, als er das erzählte. Doch er erzählte auch, dass Dresden ein „Paradies“ war, da sie in Zivilgebäuden wohnten, eine Heizung hatten, es genügend Essen gab und die Kranken gut behandelt wurden. Auch die Zählapelle waren harmlos. Doch er war immer noch ein „Parasit“, weil er zu klein zum Arbeiten war. Seine Mutter musste ihn darum wieder verstecken. Doch er wurde gefunden und sollte getötet werden. Doch die Bomben des 13. Februar 1945 „retteten“ ihn. Dieser Teil war auf jeden Fall sehr ergreifend, denn es ging ja um die Heimatstadt der Schüler. Nach dem Angriff der Engländer entdeckte Josef Salomonovic auch das erste Pferd, dass er je gesehen hatte, da er sonst nur Wachhunde kannte.

Dann ging es weiter ins „Sudetenland“. Wer stehen- oder liegenblieb, wurde erschossen. Immer wieder wurden sie von Tieffliegern angegriffen, dann warfen sich alle auf den Boden oder in den Straßengraben und verbargen sich unter Decken. Die Nazis übersahen dadurch seine Familie, die sich im Graben versteckt hatte.

Sie flohen zu einem Bauernhof, wo sie zwei Nächte blieben, bis die Amerikaner sie fanden. Sie bekamen 5 Liter Kirschkompott, die sie alle schnell austranken. Auch bekam er von einem der Amerikaner ein kleines Metallflugzeug, welches er immer noch hat. Ich behalte mir seine Geschichte auf jeden Fall im Kopf, da ich sie sehr spannend fand, auch damit ich mir merke, dass es so etwas Schlimmes nie wieder geben darf. Auch finde ich es bemerkenswert, dass Josef Salomonovic 8 Sprachen beherrscht und, obwohl er so eine schlimme Zeit in Deutschland und Polen erlebt hat, trotzdem nach Deutschland kommt und solche Vorträge hält, finde ich sehr faszinierend.

geschrieben von Simon

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