Der Jüdische Frauenverein Dresden e.V. bei uns

Ein Bericht von Anne-Marie, Klasse 9d:

Um 13:15 Uhr am 28.11.2018 war auf unserem Gang, der neunten Klasse, viel Anspannung und wenig Platz. Dies lag daran, weil die Säulen von jüdischen Zeitzeugen der Sowjetunion ausgestellt waren. Sie wurden uns vom Verein der Jüdischen Frauen ermöglicht und von unserem Geschichtslehrer Herrn Kretschmer. Darauf waren Situationen geschildert, die wir uns nicht einmal im Geringsten vorstellen konnten. Zu diesen Säulen kamen 14 Frauen und Männer und zwei Übersetzer. Denn die Zeugen konnten nicht so gut Deutsch, was ihrer Herkunft geschuldet war.

Jeder Einzelne von uns musste sich drei Fragen anhand seines eigenen Wissens aus dem Geschichtsunterricht oder der Säulen, erarbeiten. Mir und vielen anderen war sehr unwohl bei dem Gedanken, dass wir diese Menschen zu ihren schlimmsten Erinnerungen und Erfahrungen fragen mussten. Mich beruhigte allerdings der Gedanke, dass sie dies freiwillig taten. Ich wurde mit ihnen schon etwas vertraut, da ich sie mit dem Aufzug zu unserer Etage bringen durfte. Zu diesem Zeitpunkt war in jedem Klassenzimmer unseres Ganges ein großes Chaos, da alle ihr Schreibzeug holten und die Fragen noch mal durchgingen.

Als die Leiterin Preusser-Franke uns begrüßte und grob die Lage schilderte, in welchem geschichtlichen Zeitraum wir uns befanden, waren viele schon zusammengesunken in der Haltung, da sie mitfühlten. Die Zeitzeugen waren sehr zurückhaltend und standen oft zu zweit da, was ich und andere vollkommen nachvollziehen konnten. Damit sie sich sicher fühlten und ihren Albtraum nicht alleine durchleben mussten, was ich auch nicht wollen würde. Ich habe am Anfang mit einer Frau gesprochen, die mir und ein paar weiteren Mitschülern folgende Situation schilderte: Sie musste auf Grund ihrer Herkunft und ihrer Religion oft ihre Heimat wechseln, weswegen immer ein Stück ihres ganzen Lebens verloren gegangen sei, sagte sie mit belegter Stimme. Sie meinte allerdings, dass Sie im Leben nichts verpasst hätte und an ihren Entscheidungen nichts ändern würde. Bei meiner Frage, die ich nach Aufforderung von Lehrern, wegen meines Respektes und meiner eigenen Neugier gestellt habe, hatte sie ganz schön zu kämpfen. Ich habe die Frage noch drei weiteren gestellt und alle hatten mit ihren Erinnerungen zu kämpfen. Die Frage lautete: „Denken Sie, Sie haben was von ihrem Leben verpasst, was glückliche Momente und Erfahrungen angeht, nur weil Sie einen jüdischen Glauben haben.“ Alle haben meiner Meinung ehrlich geantwortet, die Antworten waren relativ gleich. Sie sagten alle JA, einige mehr überzeugt andere weniger. Eine Frau meinte, dadurch dass sie jüdisch ist, sei sie stärker vom Charakter, als manch andere in ihrem Alter oder auch Jüngere.

Diese Erfahrung war etwas ganz besonderes und ich bin froh, dass ich sie machen durfte. Eine Geschichte so miterleben zu dürfen, Schritt für Schritt, alles genau zu erfahren, ist besser als jedes Buch, da man die Emotionen der Zeitzeugen dazu sehen konnte. Die Leiterin verabschiedete sich um 14 Uhr im Namen aller Zeitzeugen bei uns. Die Stunde ging sehr schnell um, wodurch man leider nicht die Chance hatte, Jedem zuzuhören. Diese Stunde war sehr beeindruckend und wir würden uns freuen, so etwas noch mal zu erleben.

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